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Mittwoch, 21. Dezember 2011

Reisevorbereitungen


Ich habe immernoch die Wahl zwischen in paar Weltlinien. Manche davon möchte ich jedoch unbedingt vermeiden. Zum Beispiel wäre Saturn im Nadir eine der schlechtesten Orte, an denen man sich aufhalten kann. Einer der wenigen Erfahrungsberichte, die es zur Astrokartographie gibt, berichtet von einem Beinbruch auf der Weltlinie. Die gilt es unbedingt zu vermeiden. Sie hat nur schlechte Wirkungen. Das bedeutet für mich, daß ich London und Paris vermeiden muß. Schon eine Zwischenlandung bietet Gelegenheit genug, sich ein Bein zu brechen. Leider erfolgen Zwischenlandungen oft in London oder Paris. Am besten vermeide ich sogar ganz England und das französische Festland. Frankreich hat Inseln, die über die ganze Welt verteilt sind. Das klingt zwar vielversprechend, aber in den meisten Fällen kann man sie nicht direkt von Europa aus erreichen und muß sich deswegen weniger freundlichen Einreisebestimmungen unterwerfen. Dadurch wird auch der Aufenthalt auf französischen Inseln erstmal unmöglich für mich. In Finnland, Estland oder Weißrussland könnte ich mir viele Feinde machen, weil dort die Linie meines untergehenden Marses verläuft. Feinde hatte ich wirklich schon genug, dort will ich auch nicht hin. Neptunlinien sollte man auch vermeiden. Abgesehen von den ungünstigen Weltlinien, gibt es sogar in Europa zur Zeit politische Gründe, bestimmte Länder zu vermeiden. Deswegen werde ich besser nicht nach Griechenland gehen. Schließlich kommt als letztes, aber nicht weniger wichtiges, Auswahlkriterium noch dazu, daß ich nur dorthin kann, wo ich eine Wohnung finde. Für ein paar Tage Aufenthalt gäbe es mehr Möglichkeiten und man könnte schnell etwas finden, aber erwünschte Wirkungen der Weltlinien dürften nicht sofort eintreten. Ich habe sogar gelesen, daß das zwei Jahre dauern soll. Demnach will also sogar länger bleiben als es das Schengener Abkommen vorsieht. Manche Länder, insbesondere im Schengenraum, erlauben das durch mehr oder weniger lockere Einwanderungsvorschriften für Europäer. Irland müßte ich nach drei Monaten verlassen. Durch Irland verläuft meine Merkur-im-Zenith-Linie. Westeuropäische Länder, schon beginnend mit Frankreich, unterwerfen ihre Einwohner keiner Meldepflicht. Nur Italien setzt solchen gegen alle Menschenwürde Sturm laufenden Unfug noch strenger als Deutschland um. Die Informationen ließen sich alle per Internet finden. Das dürfte auch die beste Methode sein, um eine Wohnung zu finden, die ich brauchen werde.

Von früheren Plänen her, aus denen nichts geworden ist, weiß ich, daß man in Ostasien nicht auf elektropostalische Anfragen reagiert. Jetzt weiß ich, daß man die Mentalität in Osteuropa teilt. Mir erscheint es ziemlich unsinnig zu sein, Kontaktdaten anzugeben, aber auf darüber erfolgte Anfragen einfach nicht zu reagieren. Im östlichen Teil Europas hätten sich mir Weltlinien für Uranus, Venus, Mond und Jupiter angeboten. Mit denen werde ich mein Experiment nicht beginnen können.

In meinem Horoskop habe ich eine große Konjunktion aus Merkur, Neptun, Sonne und Lilith. Deren Zenithlinien verlaufen durch Westeuropa. Die Neptuns sollte ich vermeiden. Genau getroffen hätte ich sie nur auf einer kanarischen Insel, aber die Kanaren sind sowieso zu teuer, wie ich feststellen mußte. Die Merkurlinie verläuft durch Irland, von dort bekam ich eine Absage, und kurz vor der Küste Portugals. Möglicherweise reicht das noch, wenn ich mir eine sehr weit westliche gelegene Stadt aussuche. Da habe ich zwar ein Angebot gefunden, aber der Vermieter antwortete, daß er die Miete, die als Monatsmiete ausgezeichnet war, pro Tag haben will. Natürlich ist es eine unmögliche Sache für mich, pro Tag eine ganze Monatsmiete zu bezahlen. Ich frage also bei weiteren Angeboten lieber nochmal nach. Meistens gibt es keine Antwort. Was die Lilithlinie betrifft lassen sich so gut wie keine Informationen darüber finden, wie sie überhaupt wirken soll. Ich konnte herausfinden, daß ein Lilithtransit über die Himmelsmitte manchmal bei Frauen eine Fehlgeburt anzeigt. Das paßt sehr gut zu der Mythologie, laut der Lilith, die Mutter der Dämonen, die Kinder der Menschen tötet. Lilith steht in meinem Radixhoroskop nur sechsundvierzig Bogenminuten von der Sonne entfernt. Sie dürften beide nur zusammen wirken. Das wäre ein Grund mehr, um auszuschließen, daß ich auf der Sonnenlinie Vater werden könnte, was eine häufige Wirkung sein soll. Ich hätte das sowieso ausgeschlossen, weil ich enthaltsam lebe, aber möglicherweise war das schon immer auch auf meine Sonne-Lilith-Konjunktion zurückzuführen. In einer Fernsehschau habe ich mal jemanden gesehen, der auch eine Sonne-Lilith-Konjunktion in seinem Radixhoroskop hatte. Auf die Konstellation führte der Fernsehastrologe es zurück, daß der Mann zwei Flugzeugabstürze erlebt und dabei am ganzen Körper Verbrennungen erlitten hatte. Er war total entstellt und es war wirklich schwer, ihn anzusehen. Ich sollte wohl besser nicht mit einem Flugzeug reisen? Tatsächlich gibt es dafür einen Arabischen Punkt im Horoskop und in meinem rät der mir zusätzlich noch von Flugreisen ab. Trotzdem weiß ich noch nicht, wie die Konstellation wirken soll, wenn ich sie durch eine Relokation auf die Himmelsmitte hebe. Das würde das Experiment dort noch spannender machen. Die Sonne alleine sollte für berufliche Selbständigkeit sorgen — mit einem hohem Einkommen — und sogar berühmt machen. Diejenigen Leute, die durch Hollywood berühmt wurden, sollen ihre Sonne-im-Zenith-Linien durch Hollywood liegen haben. Lilith steht für manche Astrologen sogar für Magie, vielleicht weil Lilith die Mutter der Dämonen ist. Klingt doch vielversprechend.

Es dauerte über den August, den September, den Oktober bis in den November bis ich endlich ein Angebot aus Madeira habe, wo meine Zenithlinien für Sonne und Lilith verlaufen. Dabei habe ich wirklich jeden Tag gesucht und zu verhandeln versucht! Das ist nicht ohne Verständigungsschwierigkeiten abgelaufen.

Madeira gehört zum Schengenraum, erhält Randzonenförderung durch die Europäische Union, dazu gehört trotz niedrigerer Steuern nicht als Steuerparadies eingestuft zu werden, ist eine Freihandelszone und ist zudem noch eine Station für das transatlantische Glasfaserkabel, welches Europa und Amerika internetmäßig verbindet. Madeira ist zwar eine Insel, besitzt aber kaum Strand, so daß ich mich leicht davon fernhalten kann und auch kein Strand besonders preistreibend auf die Mieten wirken kann. Das sieht nach idealen Bedingungen aus. Also steht es fest, ich werde auf die portugiesische Insel Madeira reisen.

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