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Sonntag, 11. Dezember 2011

Über mich


Wohin soll ich reisen? Das muß ich mir gründlich überlegen. Einerseits gibt es Länder und Kulturen, die ich mag, und solche, die ich nicht mag. Andererseits ist das nicht entscheidend, weil es darum geht, die Wirkung meiner Weltlinien auszuprobieren. Also ist als erstes entscheidend, wo ich eine finde, die nicht nur über den Ozean oder durch ein Naturschutzgebiet oder durch eine menschenleere Wüste verläuft. Als zweites ist entscheidend, ob ich mir die Gegend auch von meinem Budget her leisten kann. Ich habe nämlich nicht viel Geld. Wäre ich auf der Gewinnerseite des Lebens, dann würde ich die Aktion als überflüssig empfinden. Sie soll mich von der Verliererseite auf die Gewinnerseite bringen. Noch entscheidender, weil meinem Einfluß entzogen, ist die Frage, wo man mich überhaupt einreisen läßt. Es ist nämlich so, daß die meisten Länder Einreise und Aufenthalt an restriktive Bedingungen knüpfen. Üblich sind inzwischen, daß man einen Reisepaß braucht, der sogar noch sechs Monate über die Aufenthaltsdauer hinaus gültig ist, und einen Nachweis, daß man wieder ausreisen und in seine Heimat zurückkehren will. Für Letzteres muß man die Reisedokumente vorlegen. Ersteres ist eine reine Schikane, schließlich kann es ganz offensichtlich keinen vernünftigen Grund für so eine Regelung geben. Manchmal werden sogar noch Nachweise darüber verlangt, daß man die finanzjellen Mittel für den Aufenthalt hat, ohne sich etwas dazuverdienen zu müssen.

Als erstes Problem stellt sich, daß mein Reisepaß nicht mehr lange gilt. Zwar könnte ich mir theoretisch gleich einen der überteuerten, neuen, biometrischen Pässe besorgen, aber ich bin ein Gegner der Totalüberwachung, zumindest solange sie mit ihrem gefährlichen Ende in die falsche Richtung zeigt. Wenn eines nicht mehr allzu fernen Tages diejenigen, die nichts zu verbergen hatten, in Konzentrationslager zusammengetrieben werden, dann will ich nicht unter ihnen sein. Dann stünde ich schließlich wieder auf der Verliererseite und von der will ich weg. Es muß endlich Schluß damit sein, daß Staaten diejenigen, die sie doch eigentlich beschützen sollten, unter generellen Terrorismusverdacht stellen und jede Möglichkeit nutzen, sie zu schikanieren. So ein System kann ich nicht auch noch fördern. Jedenfalls nicht, solange ich auch noch die Möglichkeit habe, meinem Gewissen zu folgen. Aus dem Grund scheidet auch Japan aus, das seit 2007 bereits biometrische Daten aller Einreisenden erhebt, unabhängig davon, wie die sich ausweisen. Wenigstens habe ich mir noch zum einigermaßen passenden Zeitpunkt noch einen letzten biometriefreien Personalausweis besorgen können. Mit dem kommt man allerdings lange nicht so weit.

Im wesentlichen bleibt also nur der Schengenraum übrig und ein paar andere Länder der Europäischen Union. Hier bestehen die zusätzlichen Vorteile, daß man keine finanzjelle Mittel nachweisen muß, sogar Geld verdienen darf und keinen Weiterreisenachweis braucht. Hier wird es viel leichter, aber Nachteile gibt es auch. Die Einschränkung führt dazu, daß ich viel weniger meiner Weltlinien zur Verfügung habe. In Europa gibt es viele teuere Regionen, die fallen für mich auch flach. Am besten wäre es, wenn auch keine Heizkosten anfielen. Ich muß dazu sagen, daß ich meinen Koffer aufgrund früherer Reisepläne, aus denen dann doch nichts geworden ist, schon gepackt habe. Das war in einem Sommer und hätte nach Asien gewollt, das mir kulturell eigentlich mehr zusagt. Ihr erfahrt von meiner Reise etwas zeitverzögert. Den Grund dafür erfahrt ihr auch noch. Jedenfalls kann ich jetzt schon aus Erfahrung sagen, daß es keine gute Idee ist, einen Koffer zu früh zu packen. Zumindest nicht, solange man sich nicht völlig im Klaren über Zeitpunkt und Ziel einer Reise ist!

Nun wißt ihr schon einiges über mich. Für denjenigen, der sich Rat für bevorstehende Reisen sucht, ist möglicherweise noch wichtig, daß ich auf meine Gesundheit zu achten versuche, Vegetarier bin, männlich, weder technisch noch handwerklich noch sportlich der Talentierteste, aber dafür nicht nur einen, sondern gleich zwei (volle und echte) Universitätsabschlüsse habe. Das verheißt nichts Gutes für den Versuch, durch Arbeit an Geld zu kommen. Überall gefragt sind schließlich nur Handwerker. Darüber hinaus auch Programmierer, aber sogar die nur, wenn sie wirklich etwas drauf haben. Meiner Gesundheit tut übrigens erfahrungsgemäß Meeresklima besonders gut. Das ist für mich nicht erfreulich, weil ich das Meer fürchte und andere Gegenden vorziehen würde.

Obwohl es für die Planung einer Reise nicht von großer Bedeutung sein dürfte, mag es den einen oder anderen interessieren, wie ich auf die Verliererseite gekommen bin. Das geschah einfach, weil ich seit frühester Kindheit von vielen Seiten (in meiner Familie und außerhalb) brutale Gewalt, sowohl psychische als auch physische, erfahren mußte. Aufs Gymnasium und schließlich die Universität bin ich gegangen, weil es mich instinktiv immer dorthin gezogen hat, wo es am wenigsten Gewalt gab. Ich habe mich nie auf Beziehungen eingelassen, weil ich möglicherweise Schwächere nicht ähnlicher Gewalt wie mich selbst aussetzen wollte. Deswegen gibt es einiges, das in meinem Leben vielleicht fehlt, auch weil ich nie die Beziehungen hatte, um etwas auf anderem Weg als durch eigene Anstrengungen zu bekommen. Meine Ansprüche sind eher bescheiden. Deswegen habe ich mir etwas für meine Reisekasse zusammensparen können. Aber für übertrieben viel wird es nicht reichen. Dekadente Dinge wie Hotelaufenthalte kann ich von vorneherein ausschließen.

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